Mastodon haben noch nie etwas auf konventionelle Art und Weise getan. Schon vor mehr als zehn Jahren, als andere Bands noch den Metal aus den 80ern wiederkäuten, haben sie ihren ganz eigenen, höchst anspruchsvollen Stil entwickelt. Und während sich die Musikwelt darauf konzentrierte, möglichst leicht verdauliche Singles zu produzieren, schrieben Mastodon großartige, komplexe Konzeptalben. Die Band selbst ist überwältigt von der Masse an positivem Feedback, das von überschwänglichen Kritiken bis hin zu öffentlichem Lob von Ikonen wie Metallica, The Melvins, The Flaming Lips oder auch CeeLo Green reicht. Aber anstatt sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, sprengen sie ihre eigenen musikalischen Grenzen und schöpfen ihre Kreativität weiterhin voll aus.
Mit The Hunter hat die Band, die mit den Alben Remission, Leviathan, Blood Mountain und Crack The Skye die Hardrock-Szene des 21. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat, ein weiteres weltbewegendes, energiegeladenes Meisterwerk erschaffen. Auch wenn bisher jedes Album seinen Vorgänger hinsichtlich der Erwartungen an musikalische Innovation und Verkäufe übertroffen hat, ist The Hunter ihr bislang ehrgeizigstes Werk. Brent Hinds (Gitarre/Gesang), Brann Dailor (Schlagzeug/Gesang), Troy Sanders (Bass/Gesang) und Bill Kelliher (Gitarre) haben ein Album kreiert, dass einfach anders ist – selbst für Mastodon-Verhältnisse. Während sie auf ihren bisherigen Platten immer eines der vier Elemente als roten Faden gewählt haben, geht es auf The Hunter eher darum, das zu tun worauf man Lust hat, anstatt einer bestimmten Storyline zu folgen. “We’ve always had this umbrella or a theme that we’ve written everything under,” sagt Troy. “To us, it made sense as one cohesive story. This time, we freed ourselves up to try something new. It was really the next step for us, and I’m glad we took it.”
Diese neue Spontanität ist auf dem gesamten Album spürbar - vom melodischen und doch harten „Blasteroid“ bis hin zur wilden, kraftvollen Single „Curl of the Burl“, von schönen Harmonien zu dämonischen, düsteren Growls; The Hunter steckt voller Überraschungen. Trotz aller Härte strotzt das Album aber selbstverständlich noch immer vor Musikalität. Außerdem ist The Hunter aufgrund einiger schwieriger Umstände während des Entstehungsprozesses das bislang emotional forderndste Album der Band. Im Dezember 2010 starb Brent Hinds Bruder auf der Jagd an einem Herzinfarkt, kurz darauf verlor eine Freundin der Band ihren langen Kampf gegen den Krebs. “There were a lot of stressful things going on while we were making this record,” erzählt Brann. “I wanted to ignore all the stress, which felt like it was threatening our band’s existence. We were kind of waiting to see where everything landed. But Brent didn’t want to sit and wallow in it. He wanted to do the exact opposite. So we started coming up with all these really triumphant moments for the record. It was like, fist up in the air. Like fuck that – here we go.” Das Album ist übrigens Hinds Bruder gewidmet, der ein leidenschaftlicher Jäger war.
Das Material für die Platte wurde größtenteils auf der Tour mit Alice in Chains geschrieben, und die Aufnahmen fanden Anfang dieses Jahres innerhalb von 6 Wochen in Los Angeles und Atlanta statt. Mastodon setzten ihre Tradition fort, mit Traditionen zu brechen und wählten Mike Elizondo als Produzenten, der eher für seine Arbeit im Hip Hop Sektor bekannt ist. “After meeting him and hearing his ideas and unique perspective on our band we thought ‘This could be really interesting,” erzählt Brent. “We’re all about doing things that other people don’t, so let’s do an album with the guy who just worked with 50 Cent and Eminem. How crazy is that? We always try and embrace the unexpected.” Und erneut hat sich ihr Mut zum Risiko ausgezahlt.
The Hunter ist so aggressiv wie nachdenklich, so modern wie old-school. Natürlich ist die Gitarrenarbeit wieder meisterlich, sowie auch die Fähigkeit der Band, innerhalb kürzester Zeit von einer Musikrichtung in eine völlig andere zu wechseln. Am Songwriting waren alle Bandmitglieder beteiligt, und Sanders singt sogar um einiges mehr als auf den bisherigen Alben (“I never thought I’d be one of the main vocalists . . . on any record,” lacht er). Gleiches gilt für Dailor, der bereits auf dem Vorgängeralbum gute gesangliche Arbeit geleistet hatte, nun viele weitere Facetten einbringen konnte und The Hunter somit noch vielschichtiger machte.
Beispiele für Inhalte der neuen Songs gefällig? Am besten übernehmen das Brent und Brann: Brann über “Curl of the Burl”: It’s about meth heads in the woods of West Virginia who look for certain types of knots in a tree. That would be the curl of the burl. They cut it out of the tree, drive it into town, sell it to furniture makers then go buy more meth. It’s like crackheads who steal copper from Lowes and sell it. We really couldn’t think of a better subject matter. It fascinated us.
Brent über “Blasteroid”: It was the name of a video game that was in the studio where we recorded. We thought it was hilarious—asteroids mixed with hemorrhoids. It had this crazy star that crapped out these asteroid looking thingees. So we mixed that ridiculous name with this sugary melody, then pushed it all up against, uh, somewhat aggressive lyrics. [Sings] ‘I wanna break some fucking glass, I wanna drink some fucking blood . . .’ Fun stuff.
Brann über “Stargasm”: It’s about having sex in space, or maybe not in space, just great sex where the orgasm brings you into space. When we sing ‘You’re on fire!,” I imagine swirling flames around these two people enjoying this sexual experience so good that they end up in outer space. Very Barbarella.
Brent über “The Sparrow”: It’s about Susie Polay our accountant’s wife, who passed away of stomach cancer when we were recording the album. Her motto was persue happiness with diligence, and that motto became the lyrics to the song. It’s such a pretty song, and it’s so sorrowful as well. It’s in her memory and for her husband Robert too, to pass on her inspiration to the listener.
Einer der Ansprüche, die Mastodon für The Hunter an sich selbst gestellt haben war, ihre normalerweise komplexe Art Musik zu schreiben zu vereinfachen. Früher hat die Band versucht, so viele Elemente wie möglich erst einmal zusammenzuwerfen und dann eine gewisse Ordnung reinzubringen. Auf dieser Platte jedoch haben sie sich zurückgehalten und den Songs mehr Luft zum Atmen gegeben. “Our last album Crack The Skye, was such a deep, long record,” meint Bill. “It was very heavy. We thought let’s make a spontaneous record based off music that comes off our fingertips in the moment. We didn’t over think it—like Hey, we gotta really dazzle the kids! It’s like let’s not over do it. Just let it fall naturally, and we did.”
Zum Glück sind Mastodon ihren Instinkten gefolgt, denn dadurch haben sie das beste Album ihrer Karriere erschaffen. Andererseits, wen überrascht das noch wirklich? Die Band stand bereits auf der Bühne bei so wichtigen Festivals wie dem Coachella, Sonisphere oder auch Bonnaroo, was sie ungewöhnlich vielseitigen Musikfans nähergebracht hat – Fans, die an der Qualität der Musik interessiert sind und die sich nicht von engstirnigen Genreangaben in die Falle locken lassen. Das alles haben sie nur deswegen erreicht, weil sie nie den einfachsten Weg gegangen und immer ihrem Gefühl – sowie der Liebe für gute Riffs – gefolgt sind. “We can never go in the studio saying we’re gonna make a heavy record because that’s what people expect,” erzählt Brann. “Or a progressive record, because that’s what they want to hear. You can talk all day about what you’ll do artistically, but once you sit down and it starts coming out, you find out it’s not really in your control. Things move in the direction they move in -- much like life. It might not go the way you want, but that’s when great things come out that you had no idea were there. That’s when you tap the unexpected.”
MASTODON:
Troy Sanders — Bass / Gesang
Brent Hinds — Gitarre / Gesang
Bill Kelliher — Gitarre
Brann Dailor — Schlagzeug / Gesang