The Offspring

„Wir wollen mit jedem Album etwas Neues bieten“, sagt Dexter Holland, Frontmann von The Offspring. Nach neun Alben ist das sicherlich keine leichte Aufgabe für eine Band, aber mit ihrem neunten Studioalbum „Days Go By“ beweisen The Offspring, dass sie noch einige Überraschungen auf Lager haben. Auf der von Bob Rock (Metallica, Mötley Crüe, The Cult) produzierten Platte erleben wir, wie die Band jede bereits bekannte Facette ihres Sounds neu angeht und gleichzeitig völlig neue Wege bestreitet.

Das Quartett aus Huntington Beach, Kalifornien - Dexter Holland (Gesang, Gitarre), Noodles (Gitarre), Greg Kriesel (Bass) und Pete Parada (Schlagzeug) - bricht mit wahrem Punk-Geist im Herzen wieder einmal alle Regeln. Der Titelsong (und die erste Single) wartet mit einem eindringlichen Riff und einer stadiontauglichen Hook-Line auf; „OC Guns“ schwankt zwischen südkalifornischem Reggae und Mariachi-Klängen. Und „Cruising California (Bumpin‘ in My Trunk)“ erzählt auf amüsante Weise von einem Nachmittag, an dem es nichts zu tun gibt außer Zeit totzuschlagen und mit leicht bekleideten Mädchen zu flirten. Das Album schließt mit den zwei Speed-Punk-Märschen  „Dividing by Zero“ and „Slim Pickens Does The Right Thing And Rides The Bomb To Hell”. Das ist einzigartig, unvorhersehbar und unbestritten The Offspring.

Das letzte Album „Rise And Fall, Rage And Grace“ aus dem Jahr 2008 enthielt die Alternative-Hits „Hammerhead“ und „You‘re Gonna Go Far, Kid“. Zu den größten Erfolgen der Band zählen die Rockhymnen „Self Esteem“, „Come Out And Play (Keep ‘Em Separated)“ und „The Kids Aren‘t Alright“. Die Band hat über 1.000 Konzerte in aller Welt gegeben und mehr als 36 Millionen Alben weltweit verkauft. Ihr Album Smash aus dem Jahr 1994 ist auch heute noch das meistverkaufte Album aller Zeiten auf einem Independent-Label.

2010, nach der erfolgreichen Tour zu „Rise and Fall, Rage and Grace“, kamen die vier Musiker in ihrem Studio in Orange County wieder zusammen, um Ideen für ihr nächstes Werk zu sammeln. Über den Wunschproduzenten war man sich schnell einig und so trieb es Holland zunächst nach Hawaii, wo er Bob Rock einen Besuch abstattete. Nach der Zusammenarbeit am vorherigen Album setzte man einfach wieder dort an, wo man aufgehört hatte.

„Das letzte Album war wirklich toll, also wollten wir wieder mit Bob arbeiten“, erklärt Holland. „Wenn man zum zweiten Mal mit einem Produzenten arbeitet, können zwei Dinge passieren. Entweder es wird alles besser, weil man sich ja näher kennengelernt hat. Oder aber man ist schon zu eng miteinander verbunden und das Verhältnis ist nicht mehr  professionell genug. Der Produzent ist dann viel zu sehr dein Kumpel. Glücklicherweise war es bei uns aber nicht so. Bob hat uns dazu angehalten, alle unsere Ideen zu verwirklichen.“

Der Titelsong war es, der den ganzen kreativen Prozess in Gang setzte. Er war der erste, an dem die Band arbeitete; immer wieder kamen sie auf ihn zurück und feilten weiter daran, und am Ende war er der letzte, der fertiggestellt war. Für Holland steht dieser Song für das alles überragende Thema des Albums.

„Der Song verband alles miteinander und er stand am ehesten für all das, was ich ausdrücken wollte“, erklärt er. „Die Zeit bleibt nicht stehen. Wir müssen unser Leben bestreiten. Wir müssen uns zusammenreißen. Niemand nimmt uns das ab. Gleichzeitig ist da diese hoffnungsvolle Botschaft. Und ich wollte, dass sie rüberkommt. Die letzten Jahre waren für sehr viele Leute sehr hart. Im Fernsehen oder in den Nachrichten kannst du es verfolgen. Der Song sagt nicht einfach nur, „Lasst uns revoltieren!“ Es geht um die Botschaft, dass alles besser werden kann.“

„Es geht darum nicht aufzugeben“, stimmt Noodles zu. „Ohne Hoffnung gibt es nicht viel, für das es sich lohnt weiterzumachen. Der Song hat diesen großen, mittelschnellen Gesang und dahinter steht dieses echte, verbindende Gefühl“.

Auch hinter der musikalischen Vielfalt von „Days Go By“ liegt eine Verbindung. Egal ob in der humorvollen Geschichte über die Gründung einer Zweitfamilie mit einer Stripperin in „I Wanna Secret Family (With You)“ oder im antiautoritären „Secrets from the Underground“  - The Offspring halten nichts zurück. Holland forderte sich während des Schreibens wirklich alles ab. Auf Rocks Rat hin zog er sich zum Schreiben sogar nach Vancouver zurück, wo er „All I Have Left Is You“ rasch im Hotelzimmer schrieb.

„Ich habe wirklich versucht, die bestmöglichen Texte zu schreiben“, sagt der Sänger. „Ich will eine Geschichte erzählen, aber eine, die der Hörer zu seiner eigenen machen kann. Wir wollen abwechslungsreiche Musik machen. Das Album enthält viel Punkrock, aber auch ein wenig Reggae und Pop. Nach neun Alben ist es sehr leicht sich zu wiederholen. Man muss schon tiefer bohren um sich selbst weiterzubringen.“

Und die mitreißenden neuen Songs zeigen, dass die Band offensichtlich tiefer gebohrt hat. Noodles dazu: „Einige Songs haben eine tiefe Bedeutung und ich hoffe, dass sie bei den Menschen ankommt. Auf der anderen Seite hoffe ich natürlich, dass sie bei den lustigen Nummern lachen. Und wenn sie alles mögen, ist das natürlich umso besser“.

„Wir nehmen unsere Alben für uns selbst auf“, sagt Holland. „Danach fühlen wir uns großartig und wenn wir das an andere weitergeben können, ist das noch viel besser. Auch die wütenden Stücke bestehen nicht aus reiner Wut. Sie sind auch befreiend und voll Hoffnung.“

Die vollständig befreiende Wirkung entfaltet die Musik aber wohl erst, wenn man die Band auf der Bühne sieht. Und genau dort werden die Songs von „Days Go By“ am heißesten brennen. Denn die Motivation der Band, mit ihrer Musik live aufzutreten, hat sich nicht geändert und ist auch nach all der Zeit so rein  wie eh und je.

„Wir waren alle sehr jung, als wir anfingen diese Musik zu lieben“, erklärt Noodles. „Und sie hat uns damals das gleiche, oder zumindest etwas sehr ähnliches bedeutet wie heute. Wir lieben es, im Studio zu stehen. Wir lieben es, hinter der Bühne zu sein. Wir lieben es, uns gegenseitig zu nerven und uns übereinander lustig zu machen. Wir lieben es einfach zu spielen.“

Es ist keine Überraschung, dass Holland das genau so sieht. „Wir sind immer noch dabei, weil wir es lieben. Wir haben den Anspruch, die bestmögliche Musik zu machen und die Welt dadurch ein wenig besser werden zu lassen. Es gibt einfach kein größeres Gefühl, als wenn das Publikum deine Songs mitsingt.

Mit „Days Go By“ wird es noch viele solche Momente geben.

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